Die Ohren gehören zu den Stellen, die man leicht vergisst, bis der Hund ununterbrochen den Kopf schüttelt oder die Katze sich beharrlich am Ohr kratzt. Eine regelmässige und sanfte Pflege erspart dir viele Unannehmlichkeiten, wenn du die richtige Methode kennst und weisst, was du auf keinen Fall tun solltest. Dieser Guide deckt das Wesentliche ab, damit du die Ohren deines Hundes und deiner Katze ruhig reinigen kannst, gestützt auf tierärztliche Empfehlungen und ergänzt durch einen natürlichen Ansatz.
Das Wichtigste in 30 Sekunden
- Der Gehörgang von Hund und Katze ist L-förmig gebogen: du träufelst eine Lotion ein und massierst, nie ein Wattestäbchen in die Tiefe.
- Die Häufigkeit hängt vom Tier ab: enger bei Hängeohren und Schwimmern, grosszügiger bei der Katze.
- Geruch, braunes Ohrenschmalz, Rötungen oder intensives Kratzen sind Warnsignale, die einen Besuch rechtfertigen.
- Eine natürliche Lotion dient der Hygiene und Vorbeugung, nie der Behandlung einer bestehenden Otitis.
Warum die Ohrenhygiene bei Hund und Katze so wichtig ist
Der Gehörgang produziert natürlich Ohrenschmalz, ein Sekret, das die feine Haut des Gehörgangs schützt und Staub sowie Unreinheiten auffängt. Normalerweise wird dieses Ohrenschmalz von allein abtransportiert. Wenn es sich aber ansammelt, vermischt mit Haaren, Feuchtigkeit und Ablagerungen, entsteht ein idealer Nährboden für Bakterien und Hefen. Genau dort beginnen die Probleme.
Eine angepasste Reinigung begrenzt diese Ansammlung und senkt das Risiko von Otitis, diesen Entzündungen des Gehörgangs, unter denen unsere Tiere so leiden. Das Ziel bleibt ein gesundes Ohr, weder verschmutzt noch gereizt.
Die Form des Ohrs verändert vieles. Ein Hund mit Stehohren, wie ein Schäferhund, oder eine Katze mit gut geöffneter Ohrmuschel, profitiert von guter Belüftung: die Luft zirkuliert, der Gehörgang bleibt trocken. Umgekehrt bildet ein Hängeohr bei einem Cocker, einem Basset oder einem Spaniel einen Deckel, der Wärme und Feuchtigkeit hält. Diese Rassen brauchen besondere Aufmerksamkeit.

Die Anatomie des Ohrs verstehen, bevor du reinigst
Bevor du die erste Kompresse herausholst, ist ein Blick auf die Anatomie nötig, denn sie erklärt die ganze Methode. Bei Hund wie bei Katze ist der Gehörgang kein einfaches gerades Rohr, das zum Trommelfell führt.
Was ist L-förmiger Gehörgang?
Diese Bauweise ändert alles. Du erreichst den Grund mit einem Wattestäbchen nicht, ohne das Ohrenschmalz festzudrücken oder eine Verletzung zu riskieren. Der richtige Ansatz: eine flüssige Lotion einträufeln, die bis in den horizontalen Teil fliesst, dann die Ohrbasis massieren, damit sich die Unreinheiten lösen und von allein nach oben kommen. Genau das erinnern die Cliniques Vétérinaires des 1000 pattes[1]: der gebogene Gehörgang verlangt, ein Reinigungsmittel einzuträufeln und zu massieren, statt ein Stäbchen zu verwenden.
Du reinigst also die Ohrmuschel, die sichtbare Innenseite und den Eingang des Gehörgangs. Du versuchst nie, etwas in der Tiefe «zu holen». Diese tiefe Zone bleibt Sache der Tierärztin.
Wie oft du die Ohren deines Hundes und deiner Katze reinigen solltest
Es gibt keinen universellen Rhythmus. Die Häufigkeit hängt von Rasse, Lebensweise und Zustand der Ohren ab. Hier findest du konkrete Anhaltspunkte zur Orientierung.
Häufigkeitsrichtwerte nach Profil
| Profil | Richtwert Häufigkeit | Achtungspunkte |
|---|---|---|
| Hund mit Stehohren | Alle 3 bis 4 Wochen | Regelmässige Sichtkontrolle reicht |
| Hund mit Hängeohren | Wöchentlich bis alle zwei Wochen | Feuchtigkeit, Haare, angesammeltes Ohrenschmalz |
| Hund der badet | Nach jedem Bad | Trocknen und Feuchtigkeit beobachten |
| Wohnungskatze | Bei Bedarf, monatliche Kontrolle | Oft selbstständig durch die Fellpflege |
| Freigänger-Katze | Kontrolle alle 1 bis 2 Wochen | Staub, Gräser, Grannen |
Das Prinzip bleibt einfach: du reinigst, wenn das Ohr es braucht, nicht aus Automatismus. Ein Hund mit Hängeohren, der regelmässig badet, braucht engere Überwachung, weil das unter der Ohrmuschel gefangene Wasser die Mazeration fördert. Umgekehrt hält eine Katze, die sich gewissenhaft putzt, ihre Ohren oft allein sauber. Ein kurzer Blick pro Woche reicht, um beginnende Verschmutzung zu erkennen.
Achtung, dass du nicht ins andere Extrem fällst: zu häufiges Reinigen reizt den Gehörgang und stört das natürliche Gleichgewicht des Ohrenschmalzes, was paradoxerweise Infektionen begünstigen kann.
Die Anzeichen, die dich alarmieren sollten
Ein gesundes Ohr ist sauber, innen blassrosa und ohne starken Geruch. Sobald einer dieser Anhaltspunkte sich ändert, solltest du genauer hinschauen. Manche Zeichen deuten auf einfachen Reinigungsbedarf hin, andere auf einen Besuch.
- Reichlich Ohrenschmalz, dunkelbraun oder schwärzlich: über einen leichten normalen Belag hinaus kann das auf eine Infektion oder Parasiten hinweisen (Ohrräude bei der Katze besonders).
- Starker oder säuerlicher Geruch aus dem Gehörgang: häufiges Zeichen einer Otitis.
- Rötungen, Schwellung, Wärme am Eingang des Gehörgangs oder an der Ohrmuschel.
- Intensives Kratzen, dauerhaft schiefer Kopf, wiederholtes Schütteln: das Tier versucht, eine Unannehmlichkeit oder Schmerzen zu lindern.
- Ausfluss, Krusten, Gleichgewichtsverlust: ernstere Signale.
Wenn es keine reine Reinigungssache mehr ist
Ein schmerzendes, stark gerötetes, geschwollenes oder ausfliessendes Ohr lässt sich nicht mit einer Hygienelotion regeln. Der dauerhaft zu einer Seite geneigte Kopf, Gleichgewichtsverlust oder frenetisches Kratzen können auch auf einen Fremdkörper hinweisen, etwa eine Granne, im Sommer in der Westschweiz sehr häufig. In all diesen Fällen stoppst du die Reinigung zu Hause und vereinbarst ohne Verzug einen Termin bei der Tierärztin.
Das unverzichtbare Material für eine gelungene Reinigung
Du brauchst nicht viel, aber jedes Element zählt. Ein falsches Produkt schadet mehr als es nützt.
- Eine geeignete Ohrenlotion für Tiere, entwickelt um Ohrenschmalz zu lösen, ohne die Haut des Gehörgangs anzugreifen. Das ist das Herzstück.
- Saubere Kompressen oder Watte zum Abwischen des Überschusses. Du wechselst die Kompresse bei jedem Durchgang.
- Ein Handtuch gegen das Kopfschütteln, besonders beim Hund.
- Leckerlis um den Moment mit etwas Angenehmem zu verbinden, besonders bei der Katze.
Was du unbedingt vermeiden solltest: Wattestäbchen, die du in den Gehörgang schiebst, Leitungswasser, Seife, 70°-Alkohol, Wasserstoffperoxid und alle Haushaltsmittel. Die Clinique Vétérinaire des Sauniers[2] ist klar: Diese Produkte reizen den Gehörgang und haben dort nichts verloren.
Die Schritt-für-Schritt-Methode zum Ohrenreinigen bei Hund und Katze
Die Technik ist bei Hund und Katze dieselbe, bei der Katze etwas sanfter und kürzer, denn sie ist oft weniger geduldig. Setz dich an einen ruhigen Ort, das Tier sitzt an dir oder auf deinem Schoss.
Das Ohr in 5 Schritten reinigen
Die Ohrmuschel anheben
Heb das Ohr vorsichtig an, um den Eingang des Gehörgangs zu öffnen und zu begradigen. So lässt sich das Produkt leichter einträufeln.
Die Lotion einträufeln
Giess den Reiniger gemäss den Angaben des Produkts direkt in den Gehörgang, ohne die Spitze ganz hineinzustossen.
Die Ohrbasis massieren
Massiere den unteren Teil des Ohrs zwischen Daumen und Zeigefinger 20 bis 30 Sekunden lang, bis du ein Plätschergeräusch hörst: Das ist das Zeichen, dass das Produkt die Verunreinigungen löst.
Schütteln lassen und abwischen
Lass das Tier den Kopf schütteln, damit das Ohrenschmalz nach oben kommt, und wische anschliessend den Überschuss und den Eingang des Gehörgangs mit einer sauberen Kompresse ab.
Zum anderen Ohr mit sauberem Material wechseln
Nimm eine frische Kompresse und eine saubere Spitze für das zweite Ohr, damit du keine Keime von einem Ohr auf das andere überträgst.
Dieser Ablauf folgt der Technik der Clinique Vétérinaire Saint Roch[3]: Ohrmuschel anheben, einträufeln, massieren bis zum Plätschergeräusch, dann den Überschuss abwischen. Das Plätschergeräusch ist dein bester Indikator: Solange du es hörst, wirkt das Produkt.
L'avis de Priscilla Montangon
Infirmière urgentiste
Der entscheidende Handgriff ist die Massage an der Ohrbasis. Viele Halter giessen das Produkt ein und wischen sofort ab, ohne der Lotion Zeit zu geben, in der Tiefe zu wirken. Nimm diese zwanzig Sekunden Massage ernst, das Tier geniesst sie oft, und das Ohrenschmalz kommt deutlich besser nach oben. Und bei einer widerspenstigen Katze ist eine kurze, positive Sitzung besser, notfalls heute ein Ohr und morgen das andere.
Die Fehler, die du unbedingt vermeiden solltest
Manche gut gemeinten Gewohnheiten schaden mehr, als sie nützen. Wenn du sie kennst, vermeidest du wiederkehrende Ohrenentzündungen.
Das Wattestäbchen im Gehörgang. Das ist Fehler Nummer eins. Das Stäbchen drückt das Ohrenschmalz in den horizontalen Teil des L, statt es herauszuholen, und kann den Gehörgang oder das Trommelfell verletzen. Für das Innere des Gehörgangs lässt du es weg.
Wasser, Seife und Alkohol. Wasser hinterlässt Feuchtigkeit, die mazeriert und Infektionen fördert. Seife und Alkohol brennen und reizen eine bereits empfindliche Haut. Bleib bei einer Lotion, die dafür vorgesehen ist.
Zu oft oder zu tief reinigen. Eine übertriebene Reinigung entfernt das schützende Ohrenschmalz und bringt den Gehörgang aus dem Gleichgewicht. Halte dich an den Rhythmus, der zu deinem Tier passt, und reinige nur den Eingang des Gehörgangs und die Ohrmuschel.
Denselben Wattebausch für beide Ohren verwenden. Wenn ein Ohr ein Problem ausbrütet, überträgst du es auf das andere. Systematisch eine saubere Kompresse pro Ohr.
Die natürlichen Lösungen von Calin-Canin
Für die regelmässige Pflege eines gesunden Ohrs erledigt eine sanfte, natürliche Lotion die Arbeit perfekt, ohne aggressiven Alkohol und ohne synthetischen Duft. Das ist der Ansatz, den wir bei Calin-Canin bevorzugen, ergänzend zur tierärztlichen Betreuung.
Für den Hund verbindet unser EarClean Lavendel, Thymian und Aloe Vera. Es reinigt sanft, beruhigt kleine Reizungen und eignet sich gut für Rassen mit Hängeohren oder dichtem Fell sowie zur Vorbeugung nach dem Baden oder einem feuchten Spaziergang.

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Unsere sanfte Ohrlotion für die regelmässige Hygiene des Hundes, ideal für Hängeohren und nach dem Baden.
Für die Katze bieten wir eine dedizierte Ohrlotion, auf Basis von Thymian- und Lavendelhydrolat, Apfelessig und Aloe-Vera-Gel. Du träufelst ein paar Tropfen auf eine Kompresse und reinigst dann vorsichtig das äussere Ohr, einmal pro Woche zur Pflege. Bei der Katze bevorzugst du kurze, ruhige Handgriffe, am besten nach dem Fressen oder einem Nickerchen.

Wenn du mehrere empfindliche Stellen auf einmal abdecken willst, vereint das Set Les Essentiels drei Pflegeprodukte in einer waschbaren Tasche: den Stick für Nase und Pfotenballen, die Augenlotion EyeClean und die Ohrpflege EarClean. Praktisch für eine komplette Hygienroutine, zu Hause wie unterwegs.
Wenn du deine eigene Lösung zubereiten willst, beschreibt unser Guide zum selbst gemachten Ohrenreiniger für Hund und Katze die sanften Rezepte und ihre Grenzen. Und weil die Augen dieselbe Aufmerksamkeit verdienen, entdecke unseren Artikel darüber, wie du die Augen deines Hundes reinigst.
Wann du die Tierärztin aufsuchen solltest
Die Reinigung zu Hause hat ihre Grenzen, und die solltest du kennen. Eine Hygienelotion pflegt ein gesundes Ohr, sie heilt kein krankes Ohr.
Mach einen Termin, sobald du Schmerzen, eine Schwellung, eine deutliche Rötung, Ausfluss, einen starken Geruch oder braunes, reichliches Ohrenschmalz beobachtest. Diese Zeichen können auf eine bakterielle oder hefebedingte Ohrenentzündung, Parasiten oder einen Fremdkörper wie eine Granne im Gehörgang hinweisen, ein Klassiker im Sommer. Ein dauerhaft schief gehaltener Kopf oder Gleichgewichtsprobleme erfordern ebenfalls eine rasche Untersuchung.
Natürlich als Ergänzung, nie als Ersatz
Unsere natürlichen Pflegeprodukte begleiten die Hygiene eines gesunden Ohrs und helfen bei der Vorbeugung. Sie ersetzen keinesfalls eine Diagnose und eine tierärztliche Behandlung bei einer ausgebrochenen Infektion. Bei Zweifel über den Zustand eines Ohrs bleibt der Reflex, dein Tier untersuchen zu lassen.
Für die artspezifischen Handgriffe schau in unsere detaillierten Guides zum Ohrenreinigen beim Hund und zum Ohrenreinigen bei der Katze.
Kurz zusammengefasst
Eine gute Ohrenhygiene beruht auf drei Dingen: den L-förmigen Gehörgang verstehen, damit du nie ein Wattestäbchen hineinschiebst, die Häufigkeit an das Profil des Tiers anpassen und eine sanfte Lotion statt Wasser oder Seife verwenden. Die Methode steckt in fünf einfachen Schritten: Ohrmuschel anheben, einträufeln, massieren bis zum Plätschergeräusch, abwischen, für das andere Ohr das Material wechseln. Und ein Ohr, das schlecht riecht, sich rötet oder Schmerzen bereitet, gehört zur Tierärztin, nicht zur Hausreinigung. Für alles andere hält eine regelmässige, liebevolle Routine die Ohren deines Hundes und deiner Katze gesund.






